Über Olga Benario

„Ich habe für das Gerechte und Gute gekämpft, für die Verbesserung der Welt. Ich verspreche Dir, wenn ich jetzt Abschied nehmen muß, daß ich Dir bis zum letzten Moment keinen Grund geben werde, Dich meiner zu schämen. […] Ich werde stark bleiben und bin entschlossen, bis zum letzten Moment zu leben. Jetzt muß ich schlafen, damit ich morgen kräftig bin. Ich küsse Euch beide zum letzten Mal.”

Olga Benario Prestes’ letzter Brief an Luís Carlos Prestes und ihre Tochter Anita

Am 12.02.1908 wurde Olga Benario als Tochter einer jüdischen ­Familie in München geboren. Bereits in jungen Jahren schloss sie sich der kommunistischen Jugend in Schwabing an.

Im Alter von 17 Jahren zog sie nach Berlin, wo sie intensiv in der KJ Neukölln aktiv war, und kurzzeitig für ihre Agitation und Aktionen im Gefängnis landete. Am 11. April 1928 nutzten Olga sowie eine Gruppe bewaffneter Genoss*innen einen Besuchstermin im Kriminalgericht Moabit, um ihren Genossen und Olgas damaligen Lebensgefährten Otto Braun zu befreien. Die spektakuläre Aktion wurde international von der Arbeiterinnenbewegung gefeiert und machte Olga über Nacht berühmt, vor allem als bekannt wurde, dass die benutzen Waffen nicht geladen waren. Im Anschluss floh Olga mit Otto Braun nach Moskau, wo sie zum Präsidiumsmitglied der Kommunistischen Internationalen Jugend gewählt und militärisch ausgebildet wird.

1934 wird sie dem brasilianischen Revolutionär Louis Carlos Prestes vorgestellt. Sie soll ihn als Personenschützerin, getarnt als seine Frau, zurück nach Brasilien begleiten. Dort hat Prestes den Auftrag die revolutionäre Bewegung gegen den Diktator Vargas voranzutreiben. Doch die Revolution wird verraten und die beiden müssen untertauchen. Tausende Kommunistinnen und Oppositionelle werden verhaftet und ermordet. Kurze Zeit später werden auch Olga Benario und Carlos Prestes inhaftiert, die inzwischen wirklich ein Paar sind. Das Vargas-Regime arbeitet mit dem faschistischen NS-Regime zusammen und so wird Olga Benario, trotz ihrer Schwangerschaft, nach Deutschland ausgeliefert.

Sie kommt in Gestapo-Haft in Berlin, wo ihre Tochter Anita ­Leocádia Prestes am November 1936 geboren wird. 14 Monate darf sie bei ihrer Mutter in der Zelle bleiben. Dann wird Olga im Februar 1938 mit anderen jüdischen und politischen Frauen in das KZ Lichtenburg verschleppt. Ihre Schwiegermutter – die Mutter von Carlos Prestes – hatte zumindest noch erwirken können, dass das Kind statt in ein Waisenheim in ihre Obhut kommt. Anita wächst in Mexiko und Brasilien auf und wird später Historikerin und ebenfalls politisch aktiv.

Auch noch im KZ versucht Olga die Frauen zu organisieren und ihnen durch kleine Akte des Widerstands Mut zu geben. Ihre Briefe aus der Zeit der Gefangenschaft zeigen ihre nie gebrochene Entschlossenheit, ihr Vertrauen in die Befreiung vom Faschismus und in eine bessere Welt. Am 23.4.1942 wird Olga Benario-Prestes mit hunderten anderen Frauen von den ­Nazis in Bernburg vergast.

Olga Benario hat ihr Leben lang gekämpft. Ihre Geschichte ist ein Beispiel für gelebte internationale ­Solidarität, und noch heute ist sie Vorbild für ­Kommunist*innen auf der ganzen Welt.
In diesem Andenken haben wir das „­Barrio Olga Benario“ in München nach ihr benannt.


Weitere Informationen

Literatur/Medien

  • Werner, Ruth; Beurton, Ursula: Olga Benario. Die Geschichte eines tapferen Lebens. Berlin: Neues Leben (1962, Neuauflage 2006)
  • Morais, Fernando Morais: Olga. “Ich habe für das Richtige, das Gute, das Beste auf der Welt gekämpft”. Frankfurt: Rowohlt. (1992)
  • Olga Benario und Luiz Carlos Prestes: Die Unbeugsamen. Briefwechsel aus Gefängnis und KZ. Herausgegeben von Robert Cohen. Wallstein, Göttingen (2013)
  • VVN Westberlin-Verband der Antifaschisten (Hg.): Olga Benario. Das Leben einer Neuköllner Antifaschistin. (1984) – Zu beziehen in der Galerie OLGA BENARIO, Richardstr. 104, 12043 Berlin
  • Sarah Helm: Ohne Haar und ohne Namen – Im Frauen-Konzentrationslager Ravenbrück, Verlag wbg Theiss (2016)
  • Cohen, Robert: Exil der frechen Frauen, Berlin: Rotbuch. (2009)
  • Iyitanir, Galip: Olga Benario. Ein Leben für die Revolution. (2004, Dokumentarfilm, 92 min.)